IT-Director
Mit der Plattform Cibasc.com bietet die Schweizer Ciba ihren Kunden und Partnern Spezialitätenchemie - zum Beispiel Farbstoffe oder Additive für Kunstoffe - über das Internet an.
In den fünf Produkt-Segmenten Plastic Additives, Coating Effects, Water & Paper Treatment, Textile Effects und Home & Personal Care erzielte Ciba Spezialitätenchemie im Geschäftsjahr 2001 mit 20.000 Mitarbeitern ein Umsatz von 7,4 Mrd. Schweizer Franken. Seit letztem Jahr können die in über 120 Ländern ansässigen Kunden, Geschäftspartner und Investoren des Baseler Unternehmens Produktrecherche, Bestellungen und sonstige Transaktionen über die in Kooperation mit dem Freiburger E-Business Dienstleister Virtual Identity entwickelte Online-Plattform Cibasc.com abwickeln. Im Vorfeld musste bei Ciba geklärt werden, ob die Online-Aktivitäten komplett inhouse oder zusammen mit einem externen Dienstleister realisiert werden sollten. Argumente für die Ausschreibung und Vergabe des Projektes waren beispielsweise Fachwissen, Projekterfahrung sowie eine Kosteneffizienz durch vertraglich fixierte Zeit- und Leistungsvorgaben. Die Entscheidung für die Virtual Identity AG fiel unter anderem aufgrund des Gesamtkonzepts über Planung, technische Umsetzung und Integration.
Umsetzung der Online-Strategie
Erklärtes Ziel der Online Strategie war es, alle Potentiale von internetgestützten Netzwerklösungen in die weltweite Wertschöpfungskette der Schweizer zu integrieren. Zu den Grundanforderungen zählte die Neuentwicklung einer skalierbaren E-Business-Plattform, die Abbildung von Markt- und Kundenbedürfnissen sowie die Fortführung der Marke Ciba im elektronischen Handel. Als zentrales Element wurde die Transaktionsplattform mybusiness@cibasc eingerichtet, die auf der Basis offener Middleware-Standards an die heterogenen Produktdatenbanken und an das Warenwirtschaftssystem angebunden ist. Zusätzlich entwickelten die Mitarbeiter der Virtual Identity AG ein unternehmensweites Content Management System, das die dezentrale Erstellung und Pflege aller Online-Daten per Browser ermöglicht. Die einzelnen Business Units können damit Produktdaten, Kundeninformationen und Serviceinhalte editieren. Weltweit 38 Verkaufs- und Marketingcenter sind darüber miteinander verbunden. Um die technischen Schnittstellen konsistent zu strukturieren, identifizierte und dokumentierte das Projektteam alle für die Entwicklung relevanten Betriebsfaktoren. Auf der Basis dieses Katalogs wurde im nächsten Schritt ein Set von aufeinander aufbauenden Modulen konzipiert, die eine ganzheitliche und redundanzfreie Einbindung des neuen Geschäftsbereichs in die globale Supply Chain sicherstellen sollen. Das Framework basiert auf einem Mehrschichtenmodell, das die Applikationen in Datenhaltung, Anwendungs- und Präsentationslogik strukturiert. Inhalte, die in der Datenhaltung sowohl in relationalen Tabellen als auch in XML vorliegen können, werden vor der Übergabe an die Präsentationslogik nach XML umgewandelt.
Software- und Systemarchitektur gestalten
Die Systemarchitektur basiert auf dem Microsoft Windows 2000 Advanced Server mit seinen intergrierten COM+ Diensten. Im Database Layer wird der Mircosoft SQL Server für die dynamischen Daten verwendet. Transaktionsbezogene Daten werden direkt an ERP-Systeme weitergegeben, während ein LDAP-Directory für die Verwaltung der Benutzerdaten sorgt. Ein Application Layer, der technisch auf COM+ und MS Message-Queues basiert, koordiniert die Anwendungs Logik in COM-Komponenten. Die Daten, die im Presentation Layer als XML ankommen, werden mit XSL-Transformationen mediengerecht formatiert (z.B. in HTML oder WML) und per ASP über den IIS 5 ausgeliefert. Die Kernapplikationen und Tools im Frontend und Backend sind browserbasiert und erlauben einheitliche Rollouts und Updates. Die Administration der Anwendungen erfolgt zentral, wodurch auf der Client-Seite spezielle Installationen und Konfigurationen entfallen.
In puncto Softwarearchitektur vereinheitlicht und kontrolliert die Datenhaltungsebene den Zugriff auf ERP Systeme, Legacy Software, mehrformatige Produktdatenbanken, das Corporate Directory und RDB Content. Gleichzeitig werden die Zugriffrechte des Users auf Datenbankebene verifiziert und eine Transaktionskontrolle etabliert. Daneben koordiniert die Anwendungsebene koordiniert interne und externe Arbeitsabläufe. Die Module Online-Bestellungen, Produktsuche, Content-Management und Kundenkontakt verbinden die Geschäftsprozesse mit der Kundenseite. Basis Services wie die Authentifizierung der Nutzer, Zugriffsrechte, Messaging und Error-Handling werden zur Wiederverwendung in allen Modulen bereitgestellt.
Umsetzung der Zeitvorgaben
Für die Umsetzung des Projekts wurde ein Zeitraum von elf Monaten veranschlagt. Eine Zielsetzung, die eingehalten werden konnte und in acht Projektphasen unterteilt war: Auf eine einmonatige Strategiephase im April 2000 folgten zwei Monate für Analyse, Konzept und Design, in denen die Gesamtarchitektur und die Visualität entworfen wurden. Zwei jeweils achtwöchige Implementierungsphasen dienten zur Realisierung des Portals mybusiness@cibasc.com. Darin enthalten war die Umsetzung der Basisarchitektur, der Import der bestehenden Inhalte und die Entwicklung der Business Applikationen. Parallel dazu wurde das Content Management System entwickelt. Anfang 2001 erfolgte die inhaltliche Aktualisierung des Portals mit den aktuellen Produkt- und Unternehmensdaten und die Integration der Mehrwertdienste. Schon in der Implementierungsphase hatten sich mehr als 1500 Nutzer registriert und 12.000 Aufträge wurden über das neue System abgewickelt.